Der Kalksteinabbau in Nußloch endet - und eröffnet neue Chancen

Thomas Gomminiginger Freitag, 9. Oktober 2020 von Thomas Gomminiginger

Der Kalksteinabbau in Nußloch endet - und eröffnet neue Chancen

Seit Mitte September haben wir Gewissheit: Der Baustoffkonzern Heidelberger Cement wird bereits Ende 2022/Anfang 2023 die Klinkerproduktion im Leimener Zementwerk einstellen. Damit endet im Nußlocher Steinbruch nicht nur der Kalksteinabbau, sondern auch der Schottertransport mit der Materialseilbahn nach Leimen. Das macht uns traurig, denn damit endet eine mehr als 100-jährige Tradition, die untrennbar mit unserem Landschaftsbild verbunden ist. Hinzu kommt, dass damit auch der Steinbruch nach 25 Jahren als Spielstätte für das große, überregional bekannte Freilichttheater der Interessensgemeinschaft Volksschauspiele (IGV) in Frage steht. Umso mehr gilt es, neue Perspektiven zu entwickeln.

Die Ausgangssituation dürfte komplexer sein als sie scheint: Die diversen Interessen beziehen sich nicht nur auf Heidelberger Cement, die Stadt Leimen und die Gemeinde Nußloch. Große Teile des Steinbruchgeländes liegen auf Wieslocher Gemarkung und auch das Landesbergamt sowie das Landratsamt ist z. B. hinsichtlich dem Natur-, Boden-, Wasser- und Immissionsschutz einzubeziehen. Nicht zuletzt weist die Loren-Trasse unterschiedliche Eigentums- und Nutzungsverhältnisse auf, die es zu regeln gilt.

Beginnen wir beim ca. 2,5 km² großen Steinbruchgelände, dessen Ausläufer bis Maisbach und Schatthausen reichen. Fakt ist, dass Steinbruchbetreiber, die jahrzehntelang aus wirtschaftlichen Gründen massive Natureingriffe tätigen und Landschaftswunden hinterlassen, die aufwändige, teure Pflicht obliegt, eine Rekultivierung durchzuführen. Durch das Auffüllen mit enormen Mengen an unbelastetem Erdaushub und Bepflanzung ist eine Kulturlandschaft für eine Folgenutzung wiederherzustellen. Dies ist bereits über die Jahre nach dem Rohstoffabbau auf Teilflächen geschehen und müsste dann ab 2023 über mehrere Jahre hinweg komplettiert werden.

Unabhängig davon bieten sich einmalige Chancen, große Teile des Areals unter Naturschutz zu stellen und – statt einer Rekultivierung – aufgegebene Bereiche einer Renaturierung zuzuführen. Bereits heute gibt es hier besondere Lebensräume als Rückzugsort von gefährdeten Arten – z. B. Uhu, Schlingnatter, Molche, Gelbbauchunke, Hirschkäfer, Gottesanbeterin, Kreuzenziane oder seltene Orchideenarten. Daher ist auch der NABU Rhein-Neckar-Odenwald zu Rate zu ziehen.

Hinzu kommen innovative Vorschläge: Im schwäbischen Gerhausen gibt es bereits ein Vorzeigeprojekt mit Heidelberger Cement namens „Urzeitweide“. Dort weiden ganzjährig Herden von mächtigen, schwarzen Taurusrindern – Abkömmlinge des ausgestorbenen Auerochsen - und robusten Wildpferden gemeinsam auf einem alten Steinbruchgelände. Ebenso würden wir uns wünschen, eine ursprüngliche Idee der FDP/BfN aus dem vergangenen Jahr voranzubringen, die aufgrund der Staubentwicklung auf einem aktiv genutzten Steinbruchgelände zunächst in die ferne Zukunft „geschoben“ wurde: Eine Teilkonversionsfläche für einen Solarpark umzunutzen, wie dies bald auf einem aufgegebenen Steinbruchareal in Glatten im Schwarzwald umgesetzt wird. Eine hohe Eigenversorgung mit regenerativer Energie wäre ein wegweisender Baustein für das Nußlocher Klimaschutzprogramm. All das Vorgenannte könnte man mit Führungen von Geo- und Naturpark-Ranger*innen über einen interessanten Lehrpfad verbinden.

Last but not least: Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, den heutigen Veranstaltungsbereich der Nußlocher Freilichtspiele im ortsnahen westlichen Zipfel des Areals für die stimmungsvollen, stets ausverkauften Aufführungen zu retten? Sind die großen Stahlrohrtribünen für den Spielbetrieb im Sommer erst aufgebaut, so könnte man das Freilichttheater evtl. auch mit einem Open-Air-Kino-Programm für Jung und Alt kombinieren. Es wäre ein einzigartiger Ort, um authentische, reale Schauspielkunst mit einem digitalen Leinwandgeschehen zu verbinden. Und warum könnte dies dann nicht auch eine Kulisse sein, um einmal im Jahr ein gemeinsames Freiluftkonzert unserer vielfältigen, örtlichen Musikvereine und Chöre zu organisieren - Feuerwehrkapelle, Posaunenchor, Männer- und Frauenchor „Sängereinheit“, Stimmbande, Kirchenchor, Musikschule, Musikzug KC … Es bieten sich viele Chancen, die man nutzen kann! Lassen Sie und uns diese – Gemeindeverwaltung, Kommunalpolitik und Bürger*innen – gemeinsam mit Weitblick gestalten.

Nußloch – bei uns ist Zukunft zuhause!

Foto: Ivan auf Pexels

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